30.July.2021

Was ist dieser Sound: Fuzz

Stell dir vor, du spielst in einer ansonsten ganz normalen Aufnahme-Session und plötzlich versagt ein Teil der Studiotechnik – auf laute und spektakuläre Weise. Und dann sind sich alle einig, dass dieser merkwürdige Sound, der aus dem Chaos kam, unbedingt in der Aufnahme bleiben soll, weil er den Song besser gemacht hat! Fuzz, der Großvater der Gitarreneffekte, kam so zustande, und die moderne Welt der Gitarrenpedale kann diesem glücklichen Zufall nicht genug danken.


Ein defekter Transistor sorgte für das überraschend raue Bass-Solo von Grady Martin in Marty Robbins‘ „Don’t Worry“.

Fuzz ist der Sound von einem Signal, bei dem etwas schiefgelaufen ist. 1960 nahm Country-Songwriter Marty Robbins gerade „Don’t Worry“ in den Bradley Film & Recording Studios auf, als ein Transistor im Aufnahmepult des Studios kaputt ging. Bassist Grady Martin spielte einfach weiter, und so entstand das charakteristische summende Bass-Solo des Songs. Howlin’ Wolf erzielte einen ähnlichen Effekt, als er die Lautstärke seines Verstärkers bei Aufnahmen wie „Moanin’ at Midnight“ bis zum Anschlag aufdrehte, und Link Wray stach Löcher in die Lautsprechermembran seines Verstärkers, um den rauen Sound von „Rumble“ zu erzielen. Aber man kann nicht ständig seine Ausrüstung demolieren, also brauchten Musiker eine verlässlichere Lösung. Und da kam das Fuzz-Pedal ins Spiel!


Das Maestro FZ-1 Fuzz Tone war die erste Stompbox, die im Handel erhältlich war. Es wurde ursprünglich als Gerät vermarktet, das Gitarren wie andere Instrumente klingen lassen sollte, wurde schließlich jedoch selbst zu einem charakteristischen Gitarrensound.

Toningenieur Glenn Snoddy entwickelte das erste Fuzz-Effektgerät im Jahr 1961. Gibson Electronics brachte es dann unter dem Namen „Maestro Fuzz Tone“ auf den Markt und gab an, das Pedal könne Blas- und Saiteninstrumente imitieren. Erst als Keith Richards es für das Hauptriff in „(I Can’t Get No) Satisfaction“ verwendete, schlug der neue Sound richtig ein. In den darauffolgenden Jahren erschienen verschiedene Variationen, darunter Sola Sound Tone Bender, Electro Harmonix Big Muff und Arbiter Fuzz Face. Frühe Nutzer der Pedale wie Duane Allman, Jimi Hendrix und George Harrison machten Fuzz-Pedale zu einem festen Bestandteil ihres Sounds.

In Fuzz wird das klare Signal deiner Gitarre geclippt: Teile der Tonwelle werden abgeschnitten, um den Sound gröber zu machen. Anders als bei Overdrive-Geräten, die den Crunch eines Röhrenverstärkers am Limit emulieren, wird Fuzz bei geringen Lautstärken nicht „sauberer“, und es verleiht dem Sound zusätzliche Flageoletttöne (oder Tonhöhen über der bundierten Note). Manchmal klingt es chaotisch und aggressiv, manchmal aber auch reich und komplex. Vergleiche mal die Gitarrenparts in Miguels „Hollywood Dreams“ und Andrew Birds „Valleys of the Young“. Einer betont die rohe Unordnung der Fuzz-Gitarre, während der andere langsam durch die volle – fast schon orchestrale – Naturtonreihe des Pedals zieht. Gleicher Effekt, aberauf zwei grundverschiedene Arten.

[RS+] [News] What’s That Sound: Fuzz - fuzz zvex 960 Spieler erkennen die Zvex Fuzz Factory an ihrem markanten horizontalen Gehäuse, den von Hand gemalten Verzierungen und dem völlig abgefahrenen Sound.

Viele Mainstream- und Boutique-Pedalhersteller haben diese Geräte über die Jahre modifiziert und Neuerungen eingeführt. Die Zvex Fuzz Factory besitzt eine zusätzliche Schaltung, die unabhängig von der Gitarre zusätzliches Rauschen erzeugt, und beim Walrus Janus wird der Sound nicht mit Reglern angepasst, sondern über mit Joysticks. Je nach deinen Wünschen findest du Fuzz-Pedale, die von historisch akkurat bis hin zu absolut chaotisch rangieren.

Wenn du Fuzz in deinem Pedalboard willst, platziere das Pedal an erster Stelle in der Signalkette, damit der Lautstärkeregler deiner Gitarre auch den Sound des Pedals steuern kann. Und wenn du Fuzz immer als chaotischen, schweren Effekt gesehen hast, versuche, ihn dir in einem anderen Kontext vorzustellen, und sieh, wohin dich diese klanglichen Möglichkeiten führen.

Margaret Jones ist Multiinstrumentalistin, Songwriterin und Musiklehrerin aus Oakland, Kalifornien. Sie spielt Gitarre in mehreren Bands in ihrer Heimat, unter anderem in ihrem eigenen Songwriter-Projekt M Jones and the Melee. Sie hat an der UC Berkeley in Musikgeschichte promoviert und am San Francisco Conservatory of Music unterrichtet.

„black instrument pedal“ von peakpx.com ist lizenziert unter CC0 1.0.

„Zvex Fuzz Factory“ von Art Bromage ist lizenziert unter CC BY-SA 2.0.

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