21.June.2021

Die Ursprünge von Ray Prices „Texas Shuffle“

Als der Rock ‘n‘ Roll Mitte der 1950er begann, den Unterhaltungsmusikmarkt zu erobern, und die Verkaufszahlen für Country-Musik einbrachen, lief die Karriere des Country-Sängers und Gitarristen Ray Price gerade erst an. Er hat Honky-Tonk neu definiert – einen Country-Musikstil, der sich auf Rhythmus konzentriert und mit Geigen, Steel-Gitarren und viel Herzschmerz untermalt wird – und etablierte 1956 mit „Crazy Arms“, seinem ersten Nummer-1-Hit, einen neuen Sound. Was bemerkenswert ist: Dieser Chartstürmer verdrängte Carl Perkins‘ „Blue Suede Shoes“ von der Spitze der Country-Charts, und das zu einer Zeit, in der das Rampenlicht Teenie-freundlichen Rockabilly-Stars wie Perkins und Elvis Presley klar den Vorzug vor traditionellen Country-Künstlern gab.

„Crazy Arms“ von Ray Price (1956)

Damals folgte Country-Musik dem 2/4-Takt, aber Ray Price führte einen schwungvollen 4/4-Beat mit einer „Walking Bass“-Linie ein, was als „Ray Price Beat“ – oder „Texas Shuffle“ – bekannt wurde. Eine „Walking Bass“-Linie besteht aus Noten mit der gleichen Dauer – üblicherweise Viertelnoten –, die die Tonleiter eines Songs auf- und abgehen (daher „Walking“). Zu jedem Beat wird eine neue Note gespielt. Der „Ray Price Beat“ war nicht nur die perfekte Begleitung für den „Texas two-step“-Tanz, er half auch dabei, Country-Musik populärer zu machen, da der 4/4-Takt – auf Englisch auch „common time“ (gewöhnlicher Takt) genannt – in praktisch allen Arten der Unterhaltungsmusik verwendet wird. „Crazy Arms“ stellte den Fans diesen neuen Sound vor, der die traditionelle Steel-Gitarre und die Geige als Hauptelemente beibehält und mit einer Honky-Tonk-Pianobegleitung abschließt. Rays klagende Baritonstimme erzählt eine Geschichte über unerwiderte Liebe: „Mein aufgewühlter Verstand weiß, dass du bald mit jemand anderem verheiratet sein wirst, und deswegen bin ich die ganze Zeit einsam.“

„Crazy Arms“ – Ray Price und Willie Nelson (1980)

Ray Price hat sich in den 50ern mit Willie Nelson, ebenfalls Texaner, zusammengetan und die Gruppe The Cherokee Cowboys gegründet. Später arbeiteten die beiden zusammen, um 1980 ihr erstes Duo-Album San Antonio Rose herauszubringen. Das Album enthält eine charismatische Duettversion von „Crazy Arms“ mit Willie und Ray, in der sie sich mit der Hauptstimme von Strophe zu Strophe abwechseln und im Refrain miteinander harmonieren. Ray sang sein Original 1956 in F-Dur, aber das Duo ist für das Duett auf D-Dur abgestiegen, um der Tonart von Willies eigener Interpretation auf seinem Album Both Sides Now von 1970 zu entsprechen. Die Aufnahme des Duetts ist deutlich schneller als Rays Version von 1956, was das „Shuffle“-Feeling hervorhebt, und beginnt mit einem Steel-Gitarrensolo anstelle des Geigenintros aus dem Original.

2016 veröffentlichte Willie Nelson For the Good Times: A Tribute to Ray Price, drei Jahre, nachdem Ray seinen Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs verloren hat. Dieses Album ist eine Zusammenstellung von Cover-Songs, die Ray Price aufgenommen hat, und enthält Willies Neuaufnahme von „Crazy Arms“ – gewissermaßen eine Rückkehr zu alten Standards, in der das Geigenintro aus dem Original zurückkehrt, aber diesmal trägt Willies langjähriger Harmonikaspieler Mickey Raphael zum Mix bei. Ein wunderschöner Tribut sowohl an Ray Price als auch an die synergetische Zusammenarbeit und Freundschaft der beiden über mehr als fünf Jahrzehnte.

Leila Abdul-Rauf ist eine Multiinstrumentalistin und Komponistin aus Oakland, Kalifornien. Leila ist Gitarristin und Sängerin für die Metal-Bands Vastum und Hammers of Misfortune sowie die „Ethereal Post-Punk“-Band Terebellum. Sie komponiert und produziert zudem Hintergrundmusik unter ihrem eigenen Namen zusammen mit dem Electronic-Trio Ionophore und dem Synth-Folk-Duo Fyrhtu. Leila war international auf Touren unterwegs und ist in ihrer Freizeit Gitarren- und Gesangslehrerin.

"„Ray Price publicity portrait“" von einem unbekannten Fotografen ist lizenzfrei.

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