6.August.2021

Die andauernde Freude von Van Morrisons „Brown Eyed Girl“

Seit seiner Veröffentlichung 1967 haben über die letzten Jahrzehnte hinweg Hunderte von Künstlern den Song gecovert, und selbst heute noch gilt Van Morrisons „Brown Eyed Girl“ als Grundpfeiler des klassischen Rockradios. Bei Vans Erkennungslied, dessen Rhythmus und Gitarrenstil stark vom Calypso beeinflusst sind, wirken viele weitere Musiker mit, die dem Song noch mehr Struktur verleihen und seine Stimmung in den entscheidenden Passagen hervorheben. Wenn Van im Refrain sein triumphierendes „sha la la“ von sich gibt, steuert die R&B-Girlgroup The Sweet Inspirations, gegründet von Cissy Houston, den Background-Gesang bei. Hörens- und beachtenswert ist auch Komponist und Arrangeur Garry Sherman, der das Keyboard in der zweiten Strophe und im Refrain spielt.

Das legendäre Intro mit seinem Gitarren-Riff gibt mit seiner eingängigen Dur-Akkord-Melodie und dem synkopierten Rhythmus die fröhliche Richtung des Songs vor, während sich Van Morrison in seinem Text hinreißend an eine vergangene Liebe zurückerinnert. Calypso gehört zu den afrokaribischen Musikrichtungen und hat seinen Ursprung in Trinidad und Tobago. Es entstand dort im 19. Jahrhundert und verbreitete sich im Laufe des 20. Jahrhunderts im gesamten karibischen Raum. Ein typischer Calypso-Rhythmus besteht aus einem synkopierten 4⁄4-Takt, dessen Rhythmus aus drei Taktschlägen besteht, zwei langen und einem kurzen. Die Akustik-Gitarre im Calypso-Stil in „Brown Eyed Girl“ unterstreicht diesen Rhythmus mit ihrem Anschlagsmuster:

               V         V     V
               Runter, runter-rauf, rauf-runter-rauf

Dieses Muster betont die drei Calypso-Schläge (zwei lange gefolgt von einem kurzem), indem der erste Anschlag nach unten geht, der zweite nach oben und der dritte wiederum nach unten (die Akzente sind mit einem „V“ dargestellt). Diese Synkopierung gibt dem Rhythmus zusätzlich Auftrieb und zusammen mit den Dur-Akkorden I-IV-V behält der Song für seine Dauer eine erbauliche und romantische Stimmung bei. Aber vielleicht war diese Stimmung laut den Zensurstandards der 1960er-Jahre etwas zu romantisch: Einige Radiosender zu der Zeit befürchteten, dass der Songtext zu anzüglich wäre und fertigen eine Radioversion an, bei der die Textzeile „making love in the green grass“ („Liebe machen im grünen Gras“) durch die etwas unschuldigere Zeile „laughin‘ and a-runnin‘, hey hey“ („wir lachen und tollen herum, hey hey“) aus der vorherigen Strophe ersetzt wurde.

Eine weitere Änderung am Song nahm Van selbst vor, als er ihn aufnahm. Im Original hieß das Lied noch „Brown-Skinned Girl“, Van benannte den Song aber um. Später sagte er: „Das war einfach ein Missgeschick ... Ich hatte ganz vergessen, dass ich den Titel geändert hatte.“ Paul Bignell von der Zeitung The Independent nimmt an, dass es in diesem Song um eine Beziehung zweier Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe geht und vermutet daher, dass der Titel geändert wurde, um Radiosendern zu dieser Zeit den Song schmackhafter zu machen. Allerdings gibt es keine Aussagen des Künstlers, die diese Interpretation bestätigen.

Aufgrund eines schlechten Vertrags mit Bang Records, den er ohne Rechtsbeistand abschloss, erhielt Van für diesen Song – sowohl für den Text als auch die Aufnahme – keinerlei Tantiemen. Als Reaktion darauf verfasste er einen sarkastischen Novelty-Song, in dem er seinem Ärger darüber Luft machte. Auch wenn „Brown Eyed Girl“ im Grunde ein schlechtes Geschäft für Van Morrison war, nahm seine Karriere mit diesem Song so richtig Fahrt auf und führte letztendlich zu einem langjährigen Plattenvertrag mit Warner Bros., der ihn als bedeutenden Künstler etablierte.

Leila Abdul-Rauf ist eine Multiinstrumentalistin und Komponistin aus Oakland, Kalifornien. Leila ist Gitarristin und Sängerin für die Metal-Bands Vastum und Hammers of Misfortune sowie die „Ethereal Post-Punk“-Band Terebellum. Sie komponiert und produziert zudem Hintergrundmusik unter ihrem eigenen Namen zusammen mit dem Electronic-Trio Ionophore und dem Synth-Folk-Duo Fyrhtu. Leila war international auf Touren unterwegs und ist in ihrer Freizeit Gitarren- und Gesangslehrerin.

„Van Morrison” von Bengt Oberger ist lizenziert unter CC BY-SA 4.0.

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