14.July.2021

Wie Gladys Knight den „Midnight Train to Georgia“ („Mitternachtszug nach Georgia“) nahm ... und nicht den nach Houston

Alles begann mit einem Telefonat zwischen dem Liedermacher und ehemaligen Quarterback der University of Mississippi, Jim Weatherly, und der Schauspielikone der 70er-Jahre, Farrah Fawcett. Weatherly wollte mit dem Schauspieler Lee Majors sprechen, seinem Flag-Football-Teamkollegen, der damals mit Fawcett zusammen war, aber hatte stattdessen Farrah am anderen Ende der Leitung. In dieser Unterhaltung erwähnte sie, dass sie „den Mitternachtsflieger nach Houston nimmt“, um ihre Eltern zu besuchen. Dieser Satz blieb Jim im Gedächtnis und nachdem er sich ein paar Charaktere ausgedacht hatte, die leicht an seine Freunde angelehnt waren, wurde er zum Schreiben des Tracks „Midnight Plane to Houston“ inspiriert. Der Pop-Country-Song erzählt die Geschichte einer Frau, die nach Hause zurückkehrt, nachdem sie keine Berühmtheit in Los Angeles erlangen konnte, und eines verliebten Erzählers, der ihr folgt und singt: „I‘d rather live in her world than live without her in mine.“ („Ich würde lieber in ihrer Welt leben als in meiner ohne sie.“) (Im wahren Leben hatten Fawcett und Majors lange und erfolgreiche Karrieren in L.A. und heirateten 1973.)

Jim Weatherly hat den Song selbst aufgenommen, aber da er nicht plante, ihn als Single zu veröffentlichen, verschickte sein Publisher Larry Gordon das Lied an andere Künstler, die auf der Suche nach neuem Material waren. Die erste Person war Soul-Sängerin Cissy Houston (Mutter der gefeierten R&B-/Soul-/Pop-Sängerin Whitney Houston), aber sie war nicht überzeugt von dem Titel des Songs. „Meine Familie stammt ursprünglich aus Georgia“, sagte sie später „und von ihnen nahm niemand einen Flieger nach Houston oder sonst wohin. Sie sind Zug gefahren.“ Ihr Publisher rief Gordon an, um zu fragen, ob sie den Titel und die Lyrics ändern könnten, um Cissys Erfahrungen authentischer widerzuspiegeln und den Song als R&B-Single neu aufzulegen. Larry Gordon gab ihnen die Erlaubnis, „alles zu ändern bis auf den Songwriter und Publisher“.

Cissys Version von 1972 wurde zu einem bescheidenen Hit und durch die eingesetzte Harmonika erhielt der Song ein leichtes Country-Feeling. Ein Jahr später fanden die Varianten von Jim und Cissy ihren Weg zu Motown-Sternchen Gladys Knight. Da sie selbst aus Georgia stammt, erschien es logisch, dass Gladys sich stärker mit der überarbeiteten Version verbunden fühlte und Houstons Titel- und Textänderungen beibehielt. Sie kehrte jedoch die Personalpronomen um, sodass der Song aus einer weiblichen Perspektive heraus neu interpretiert wurde.

Mit Jim Weatherlys Erlaubnis erweiterte und personalisierte Gladys die Lyrics und fügte die griffige Zeile „A superstar, but he didn‘t get very far“ („Ein Superstar, aber weit hat er es nicht gebracht“) hinzu. Sie rekonstruierte die Wörter in Call-and-Response-Manier mit ihren Backgroundsängern The Pips, die die Melodie weiter mit vollen und befriedigenden Harmonien bereicherten (besonders die Eisenbahn-typischen „Woo-Woos“). Gemeinsam mit einem Streichorchester beförderten Gladys Knights & The Pips den Song mit ihrer Aufnahme von 1973 in neuen Höhen. In diesem Jahr erklomm er die Spitze der Billboard Hot 100 und der R&B-Charts. Er gewann 1974 einen Grammy für „Beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe mit Gesang – R&B“ und wurde 1999 in die Grammy Hall of Fame aufgenommen – ein großer Erfolg für die „Empress of Soul“.

Leila Abdul-Rauf ist eine Multiinstrumentalistin und Komponistin aus Oakland, Kalifornien. Leila ist Gitarristin und Sängerin für die Metal-Bands Vastum und Hammers of Misfortune sowie die „Ethereal Post-Punk“-Band Terebellum. Sie komponiert und produziert zudem Hintergrundmusik unter ihrem eigenen Namen zusammen mit dem Electronic-Trio Ionophore und dem Synth-Folk-Duo Fyrhtu. Leila war international auf Touren unterwegs und ist in ihrer Freizeit Gitarren- und Gesangslehrerin.

„Gladys Knight Pips 1969“ von GaHetNa (Nationaal Archief NL) ist lizenzfrei (CC0 1.0.

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