14.June.2021

Bis ins kleinste Detail: Das Großartige an Opeths „Blackwater Park“

Griffige Riffs zum Headbangen, Akustikpassagen, progressive Taktangabe und ein unnachahmlicher Sinn für Melodie und Atmosphäre: Opeth kriegt das alles hin, und das auf intelligentere Weise, als es die meisten anderen könnten. Die 1989 im schwedischen Stockholm gegründete Death-Metal-Band Opeth geht immer wieder an die Grenzen der Kreativität und betritt Neuland innerhalb des Extreme Metal – ein Genre, das Vielfalt und Veränderungen nicht immer wohlwollend gegenübersteht.

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Mikael Åkerfeldt von Opeth

Seit der ursprüngliche Sänger David Isberg die Band 1992 verlassen hat, war Frontsänger, Gitarrist und Songwriter Mikael Åkerfeldt die treibende kreative Kraft hinter Opeth. Åkerfeldt schreckt nicht davor zurück, vom Standard-Metal-Songwriting abzuweichen, wie er 2006 in einem Interview mit Metal Hammer erklärte: „Ich sehe nicht den Sinn darin, als Band nur in eine Richtung zu gehen, wenn man alles machen könnte. Es wäre unmöglich für uns, nur Death Metal zu spielen. Dort sind unsere Wurzeln, aber mittlerweile sind wir ein Mischmasch aus allem, und keine Puristen einer bestimmten Form von Musik. Wir haben keine Angst, zu experimentieren [...]. Das motiviert uns, weiterzumachen.“

Opeths fünftes Studioalbum, Blackwater Park aus dem Jahr 2001, schlug neue Wege ein und kombinierte Death und Black Metal mit Akustikgitarren, Piano und klarem Gesang. Das Titellied geht etwa zwölfeinhalb Minuten und entführt den Zuhörer auf eine Reise mit spannenden Drehungen und Wendungen. Alle paar Minuten gibt es dynamische Änderungen an der Melodie und Lautstärke, sodass es nie langweilig wird.

„Blackwater Park“ beginnt dramatisch mit einer anhaltenden Gitarrenlinie (mit einem E-Bow gespielt), die über einem 4/4-Marschtempo in den ersten Riff übergeht, der die folgende Sequenz von Akkorden wiederholt, während eine E-Bow-Melodie darüber gleitet:

Cis-Moll – D – A-Moll – Dis

Diese Akkordsequenz löst sich in einem synkopierten Riff auf, der sich um D dreht, bevor alles schlagartig abbricht und eine isolierte Akustikgitarre einsetzt, die auf dem vorherigen Riff aufbaut. Die Drums und E-Gitarren geben den akustischen Riff wieder und kehren so abrupt zurück, wie sie verschwunden sind. Überraschenderweise hört man nicht viel von Åkerfeldts charakteristischem Death-Style-Gesang, der bei 2:20 Min. zum ersten Mal auftaucht und dann alle paar Minuten immer mal wieder zum Vorschein kommt, bevor er bei 9:15 Min. endgültig verschwindet. Dieser Mangel an Gesang sorgt dafür, dass das beeindruckende Gitarrenspiel mehr leisten muss.

Der ergreifende Akustikabschnitt im ersten Drittel ist einer der herausragenden Momente dieses Songs. Auf diesem Abschnitt baut der Rest des Songs bis hin zum Höhepunkt in der zweiten Hälfte auf, bevor das akustische Outro im Folk-Stil erklingt.

Opeth hat einen einzigartigen Weg gefunden, den gleichen Riff zu wiederholen und jedes Mal kleine Änderungen vorzunehmen: ein paar extra Akkorde hier, einen Triller da ... Diese Methode erzeugt eine konstante Stimme, die sich durch den ganzen Song zieht und alle Teile nahtlos ineinandergreifen lässt, aber immer noch genug Abwechslung lässt, um nicht langweilig zu werden. Das Gleichgewicht zwischen atmosphärischen Momenten und technischen Gitarrenfertigkeiten ist im Metal-Songwriting nicht leicht zu erreichen, aber Opeth macht vor, wie es geht.

Leila Abdul-Rauf ist eine Multiinstrumentalistin und Komponistin aus Oakland, Kalifornien. Leila ist privat Gitarren- und Gesangslehrerin und hat in ihrer Heimat und international über zwei Jahrzehnte lang bei der Aufnahme und Darbietung unzähliger Musikprojekte mitgewirkt.

Opeth performing live at Rock Hard Festival 2017, Gelsenkirchen, Germany“ von Grywnn ist lizenziert unter CC BY-SA 4.0.

Mikael Åkerfeldt, singer of Opeth, Rock im Park Festival 2014“ von Antje Naumann/AllSystemsRed ist lizenziert unter CC BY-SA 3.0.

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